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Hund, Stier, Polarbär – Das Lebendige und seine Vermessung im altisländischen Recht der Grágás - P1

Unter diesem Arbeitstitel begann ich mich Ende Mai 2021 mit Textausschnitten aus besagtem Recht zu beschäftigen. Schnell wurde mir klar, dass nicht nur der Begriff Grágás ein Paradoxon an sich darstellt, sondern dass sich mit diesen Rechtstexten auseinanderzusetzen auch bedeutet, sich mit der eigenen Fachgeschichte der Altnordistik auseinanderzusetzen.

Der Überbegriff „Grágás“ (dt. Graugans) beschreibt ein Konglomerat aus Handschriften und fragmentarischen Schriftstücken. Die Texte überliefern uns vereinfacht gesagt das Recht Islands zur Freistaatszeit (ca. 930 – 1264). Es handelt sich also keineswegs um ein einzelnes Rechtsbuch, sondern um eine Vielzahl an erhaltenen Schriftstücken, niedergeschrieben von mehreren unbekannten Schreibern zu unterschiedlichsten Zeitpunkten. Die meisten Übersetzungen dieser in Altnordisch verfassten Rechtstexte beziehen sich auf die zwei folgenden Hauptredaktionen: Konungsbók oder Codex Regius (Gks 1157 fol.) und Staðarhólsbók (AM 334 fol.).


Mit dem Stichwort „Übersetzung“ möchte ich auf die bereits angesprochene Reflexion der altnordistischen Fachgeschichte zurückkommen. Die erste Übersetzung der Grágás wurde 1937 von Andreas Heusler (*1865, †1940) angefertigt bzw. herausgegeben. Heusler war ein Schweizer Mediävist, der u. A. auch in Berlin tätig war. Da seine Werke während des Nationalsozialismus veröffentlicht wurden, müssen sie auch im zugehörigen historischen Rahmen gelesen und diskutiert werden.

In meiner künstlerischen Annäherung habe ich versucht, die Vielschichtigkeit der Thematik und ihrer Historie aufzugreifen. Dazu habe ich in Mixed Media Collagen Technik die Graugans vor einem Zitat aus Andreas Heuslers „Isländisches Recht: Einleitung zur Graugans“ in Szene gesetzt. Zwischen beiden liegt eine kreisrunde Barriere aus Transparentpapier. Es liegen zwei Varianten vor. In den nächsten Wochen möchte ich alle Mitlesenden/ -schauenden auf eine Entdeckungstour mitnehmen, auf der uns Begegnungen mit Hund, Stier und Polarbär sowie weitere kritische Einblicke in die Altnordistik aus Andreas Heuslers Perspektive erwarten.


Theresa Kohlbeck Jakobsen, B. A. Skandinavistik und Europäische Ethnologie

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