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Exkurs: „Andreas Heusler, Biografische Vermessungen“

Verantwortung/Haftung, ein omnipräsentes Thema bei der Betrachtung der Vermessung von Tieren in der Grágás. Ein Stichwort, das auch bei der Recherche zu Andreas Heuslers Wirken während des Nationalsozialismus aufkommt. Der Schweizer Mediävist promovierte 1888 in Freiburg und war von 1890 bis 1920 in Berlin tätig u. a. als außerordentlicher Professor für Nordistik. Danach kehrte er in die Schweiz zurück, wo er 1940 verstarb. Eine Vermessung Heuslers geographischer Bewegung in einem Satz. Die größte Wirkung erzielten wohl seine Arbeiten zum Heldenepos (insb. Nibelungenlied), im Rahmen meiner Betrachtung ist jedoch besonders sein Schaffen im Bereich der altnordischen Literatur von Interesse. Neben der Grágás untersuchte er Sagas sowie eddische Dichtung und setzte sich dabei intensiv mit Fragen des Übersetzens ins Deutsche auseinander.

„Each man is responsible for himself against swing of horn and hoof.” (Edt. Dennis, Foote, Perkins; 2000)

Welche Rolle spielte A. Heuslers Forschung im Rahmen des nationalsozialistischen Germanenkults?

Hier treffen wir auf einen Widerspruch zwischen Heuslers eigenen Aussagen und den nach seinem Tod veröffentlichten Würdigungen. Die Nachrufe stilisieren ihn zu einer Art Vorkämpfer des Germanenkults. Dies entspricht nicht Heuslers eigener Positionierung und ist ein post mortum konstruiertes Bild. Er wollte sich selbst gerne als unabhängigen, unpolitischen Wissenschaftler sehen und grenzte sich nie absolut vom Nationalsozialismus ab, zeigte sich maximal reserviert gegenüber NS-Programmatiken. Seine Ausführungen blieben stets im historischen Kontext, wobei er hier durchaus altgermanische Gesittung und Nietzsches Herrenethik zusammenbrachte.

Heusler hat versucht sich von seiner Verantwortung durch ein idealisiertes Bild des unpolitischen Wissenschaftlers zu befreien, als gegenwärtige Forscher:innen haben wir jedoch die Verpflichtung uns mit Schattenseiten unserer Wissenschaftsgeschichte auseinanderzusetzen und sie in unserer Arbeit zu beleuchten. Bewusstsein und Reflexion der eigenen Fachgeschichte ist wichtiger Bestandteil akademischer wie auch künstlerischer Arbeit und es soll an dieser Stelle zu einer tiefergehenden Lektüre eingeladen werden. (siehe unten)


Eine Anmerkung zum Schluss: A. Heusler war ab 1907 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Vorläufer der heutigen Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.


Nächste Woche folgt ein Resümee zum Projekt.


Theresa Kohlbeck Jakobsen, B. A. Skandinavistik / Europäische Ethnologie


Zum Weiterlesen:


Andreas Heuslers und seine Verbindung zur Akademie: https://www.bbaw.de/die-akademie/akademie-historische-aspekte/mitglieder-historisch/historisches-mitglied-andreas-heusler-1138


Andreas Heuslers Biographie ist zu finden im Projekt „Neue Deutsche Biografie“ (NDB): Völker, Paul-Gerhard, "Heusler, Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 49-52 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704370.html#ndbcontent


Tiefergehende Biographie: Beck, Heinrich. "Heusler: ". Germanische Altertumskunde Online, edited by Sebastian Brather, Wilhelm Heizmann and Steffen Patzold. Berlin, New York: De Gruyter, 2010. https://www.degruyter.com/database/ GAO/entry/RGA_2475/html



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